das sind uebrigens pois. kleine wirbelnde baelle, die an seilen durch die luft fliegen … mit denen man tanzt … nur des verstaendins halber … ich wurde danach gefragt
ich habe heute ein paar meiner lieblingsbilder ins netz gestellt. seht euch satt an den gesichtern, die mich umgeben. mit jedem dieser gesichter verbinde ich ein eigene kleine oder grosse geschichte … zu viele um diese hier alle zu beschreiben. aber diese augen sprechen von zufaelligen begegnungen, lautem lachen, fragenden blicken, hilfbereiten gesten, ein mann will der naechste praesident von nicaragua sein, zwei maedchen die es jedes mal schaffen mir meine frescos abzuschwatzen – obwohl sie mich gringa nennen, der griff nach meiner hand und ein schuechternes laecheln der kinder in der vorschule, mein erster haengemattenkauf – bei einer der aeltesten familienbetriebe masayas, die klebstoffschnueffelnden strassenjungs – mit denen ich barfuss durch den dreck springe, die granzielen marimbamaedchen und daneben die elternlosen strassenkinder, der alte mann – der jeden tag an der gleichen stelle vor seinem haus sitzt, mit der bibel in der hand und mich gruesst, die frau mit ihrem enkel – sie war 15 bei der geburt ihrer tochter – ihre tochter 17 bei der geburt ihres enkels, und immer wieder meine kiddis, aus meinem projekt in diriomito, aus der schule in diriomito, aus der montesourrivorschule, die strassenbekanntschaften, die esperanzaprojektjungs … viele gesichter und noch mehr geschichten.
aber das gefuehl, einmal kurz und gut abschliessen zu muessen, vielleicht zu fluechten – weil die lebensrealitaet einen manchmal schneller einholt als einem lieb ist, bleibt. und unseren plan nach bluefields zu kommen hab ich noch lange nicht aufgegeben …
morgen werden wir starten von tipitapa aus … wir trampen. wenn die busse nicht fahren und genausowenig die lasttransporter muss man sich eben zu helfen wissen … wenn wir glueck haben brauchen wir einen tag bis el rama. und von da aus zwei stunden mit dem boot nach bluefields. da erwarten uns dann die maifeste, cornisland … jedenfalls andere bilder, menschen, sprachen, orte.
ich will ausbrechen aus diesem trott. brauche neue welten, die gefuellt werden mit eindruecken – um mit diesem sehr anderen leben hier umgehen zu koennnen … gestern hab ich einen der ezperanzaprojektjungs getroffen … mehrere. aber diesen einen werde ich nie vergessen … wir waren auf dem weg ein geschenk fuer yelba – unsere hasuhaelterin zu suchen.
in dieser strasse wimmelt es von strassenkinder.
ich weiss. wir laufen an einem auto vorbei. auf dem auto liegt ein kind. ich sehe die dreckigen kleinen fuesse. das zerissene hemd. sehe das mir so wohlbekannte gesicht. die ausdruckslosen augen. es ist carlos. carlitos … er liegt da in der hand die flasche mit dem klebstoff. er versucht uns zu erkennen. ich spreche mit ihm. er versteht nicht. es kann einfach kein ausdruck in seinem gesicht erscheinen … weder freude noch trauer, angst noch leid. er nimmt meine hand. wie um wieder in die raelitaet zu finden. versucht zu sprechen. aber worte wollen nicht kommen. ich versuche in diesem einem moment all meine waerme und liebe zu stecken … versuche ihm zu sagen, was worte nicht mehr sagen koennen. du bist nicht allein. wir sind da. du hast einen platz. du hast freunde. du hast ein leben.
aber giftige daempfe haben ihm schon zu lange seine lebensenergie geraubt … und die leute laufen einfach vorbei. lassen diesen menschen auf diesem auto verrecken. abgstossen von dreckigen fuessen. manchmal haette ich lust barfuss durch die statt zu laufen. die menschen von ihren fernsehren wegzuziehen, diese gedankenlaehmenden kaesten zu zerstoeren und all diese gleichgueltigen wesen anzuschreien.
es ist euer leben.
ihr habt es in der hand.
nicht gott macht euer schicksal … es ist euer schicksal …
fangt an zu denken …



