… ich lebe wohl immer noch …

das merke ich nur daran, dasss jeder teil meines koerpers schmerzt, eitert, verspannt ist oder anderswie vor sich hin vegitiert … aber wenigstens spuere ich noch etwas. ich bin gerade von einer 14 stuendigen bootsfahrt, zurueck. es war ein alter rostiger lastkahn, der noch mehr alte, rostige metallteile und ein haufen menschen, die zwischen diese schrottteile gequetscht schliefen von corn island, ueber den bluff, bis nach el rama geschippert hat. sicherheitsvorkehrungen adieu. wer brauch schon schwimmwesten, wenn man auf dem dach der kapitaenskajuete schlafen kann …  wir sind die ganze nacht gefahren und den heutigen tag bis zwei oder so …
was ein glueck, dass es fast die ganze zeit bewoelkt war.
und wenn es geregnet hat, ist unsere haut aufgeblueht … es kann sehr warm werden auf so einem dach … unter was fuer bedingungen ein mensch schlafen kann. man haelt es nicht fuer moeglich.
wir waren solche glueckspilze, ich habe geistig umnachtet einen schiffsjungen angebrabelt, der uns mit aufs dach genommen hatte … mehr platz war da oben auch nicht. zwischen antennen, schornstein, rost und kisten … aber immer noch 1000 mal wunderschoener, als im kahn, oder sogar im stehen an der rehling. wir hatten vollmond. das weite meer um uns. die wolken die den mond umkreisen, als koennten sie ihn nicht beruehren und der gesang des schiffsjungens im ohr …
elsa waehre fast runtergefallen.
aufs dach zu kommen war naehmlich ein kleine hindernisstur … und wenn das boot dann anfaengt zu schaukeln ueber den schwarzen wellen des meeres … aber sie sitzt wohlwolig und gut aufgehoben mir gegenueber. tippt und haemmert auf die tasten des computers und ist kaputt, aber zufrieden … genau wie ich …
unsere reise zu beschreiben ist unmoeglich …
sie besteht aus lauter solchen unglaubwuerdigen geschichten und abenteuern.
wir werden vom glueck verfolgt, wo wir gehen und stehen. auch wenn wir kein geld in der tasche haben und unser glueck hinausfordern bis ins letzte.
am ende steht immer ein hilfsbereites wesen, in der tuer und reicht uns die hand … ohne diese vielen haende, waeren wir nicht hier … was das zurueckdenken an unsere zeit, wie ein traum erscheinen laesst!
irgendwie irreal. wie kann das alles nur passiert sein. in 2 kurzen unendlich langen wochen.

auch die uebermaessig vielen maenner auf dem kahn, konnten uns nichts anhaben … und jetzt glaube ich, ich kann alles schaffen … nach diesem erlebnis und den vielen zurueckgelegten strecken, wird alles relativ. es erscheinen neue welten und die andern, alten welten, werden in ein voellig neues licht gerueckt.
eine menge tueren haben sich geoeffnet. eine menge ideen sind geboren. so viele aengste wurden ueberwunden. und so viel vertrauen in die menschen und das leben ist gewachsen … ich werde mich wohl mein ganzen leben wundern, ueber manche begebenheiten, die ich wohl nie ganz verstehen kann …

ich sitze in el rama, wie schon vor einer woche zusammen mit zwei englaendern, die wir in bluefields verabschiedet haben. es nieselt. es herrsch reges treiben auf der strasse. eine stadt mitten im urwald. unser plan: den bus nach managua nehmen – ja! der streik ist beendet! – und dann, es dauert wohl so vier stunden, mit dem taxi nach masaya, in unsere betten. was waere das grossartig, wenn das klappen wuerde. aber man weiss nie. vielleicht wird auch alle ganz anders …

ich werde so bald wie moeglich fotos hochladen … und mehr schreiben … so bald wie moeglich. noch weiss ich nicht wann das ist. aber ich laechele, denn ich weiss alles wird irgendwie gut!